Fußball - Herren - Sportsgeist vor Regelwerk

TuS Weinböhla - SV Lok Nossen 7:0 (4:0)

Weinböhla, 04.03.2017 - Anstoß 15:00 Uhr

Zum ersten Spiel der Rückrunde hat es Trainer Thomas Ehrlich wiedermal geschafft, 11 Spieler für die Startelf aus seinem Kader zu finden. Berufs- und Verletzungsbedingte Absagen sowie klassische Kreisliga-Ausreden sind die Probleme, mit denen sich der Trainer Woche für Woche rum ärgern muss. Zudem musste am gestrigen Spieltag Felix Eichwald in der Halbzeit aus Zeitgründen ausgewechselt werden, sodass der gesundheitlich angeschlagene Rico Baum einspringen musste. Diese 3 zuvor geschriebenen Sätze beschreiben ganz gut die derzeitige Personalsituation im Muldental.

Die Vertretung aus Nossen gastierte zum ersten Mal auf dem neuen Kunstrasenplatz in Weinböhla und ging als klarer Außenseiter in die Partie. Die Nossner erwarteten von Beginn an ein Anrennen auf das eigene Gehäuse von den Gastgebern, weswegen die Ausrichtung stark Defensiv war. Weinböhla hatte von Beginn an die Zügel in der Hand. Durch überhastete, ungenaue Abschlüsse sowie Unkonzentriertheit im Spielaufbau kam in der ersten viertel Stunde nichts zählbares bei raus und die Nossner Taktik ging auf. Möglicherweise war das Hinspiel in den Köpfen beider Mannschaften, bei dem Weinböhla erst kurz vor Schluss den 1:0 Siegtreffer erzielte. In der 20. Minute bot sich die große Gelegenheit für Nossen in Führung zu gehen. Nach einem Freistoß von Robin Brucke aus dem rechten Halbfeld wurde Stefan Weinert von seinem Verteidiger völlig allein gelassen. Sein Kopfball strich nur knapp am langen Pfosten vorbei. Diese Unaufmerksamkeit war scheinbar der Wachrüttler in den Weinböhlaer Reihen. Innerhalb von 12 Minuten erhöhten die Gastgeber durch Moritz Heidenblut (24., 27.), Eric Ohlmann (31.) und Maximilian Schirmer (36.) auf den 4:0 Halbzeitstand. In der Nachspielzeit bot sich noch ein Freistoß aus Aussichtsreicher Position für die Muldenstädter. Stefan Weinert führte aus, jedoch mehrere Meter über das Tor. Die 75 Zuschauer sahen eine in allen Belangen überlegene Heimmannschaft. Schmunzelhafte Schiedsrichterentscheidungen, wie Abseits beim Einwurf, rundeten das Unterhaltungsprogramm ab.

Die zweite Hälfte spiegelte die erste wieder. Weinböhla war immer Herr der Lage und Nossen schaffte keine Entlastung. So konnte nahezu mühelos auf den 7:0 Entstand erhöht werden. In die Torschützenliste trugen sich Marcus Wilde (49.) und Tom Kaiser (66., 67.) ein. Aus Sicht der Nossner gibt es nichts nennenswertes zu berichten. Die fahrlässige Chancenverwertung der Gastgeber, in beiden Halbzeiten, verhinderte eine noch höhere Niederlage.

Die Schlüsselszene spielte sich jedoch in der 90. Minute ab. Der Weinböhlaer Angreifer läuft allein auf den Nossner Schlussmann Frank Schirrmeister zu. Dieser eilt aus seinem Tor und befindet sich außerhalb des Straufraumes. Beim Torabschluß drehte er sich weg und auf seiner Brust befand sich seine Faust, von dieser natürlich der Ball abgewehrt wurde. Eine schwierig zu bewertende Szene. Der Schiedsrichter pfiff jedoch sofort und hatte auch schon den roten Karton in der Hand. Daraufhin suchten die Nossner und auch die Weinböhlaer Spieler das Gespräch mit dem Schiedsrichter, es bei einer Verwarnung zu belassen. Schiedsrichter Andreas Müller beriet sich mit seinem Assistenten und beließ es bei einer gelben Karte. Ob diese Entscheidung Regelkonform war, ist die eine Seite. Böse Zungen behaupten, es sei eine Mitleidsentscheidung gewesen. Aus unserer Sicht ist es Fairplay, großer Sportsgeist sowie Menschlichkeit von allen Beteiligten. Die Weinböhlaer Spieler und das Schiedsrichtergespann haben dafür allerhöchsten Respekt verdient. Der Applaus der Zuschauer für diese Entscheidung spricht ebenso für sich. So ein Handeln vermisst man immer mehr auf den Fußballplätzen, vor allem im Profifußball. Diese Situation hatte so einen hohen Stellen- und Seltenheitswert, dass die Beteiligten noch ihren Enkeln davon erzählen werden.

Wie bescheiden auch die Spiele für die Nossner laufen und die Tabellensituation sich darstellt, jetzt müssen die Spieler Moral und Teamgeist beweisen. In schlechten Zeiten zeigt sich der wahre Charakter einer Mannschaft. Es darf nicht der Spaß am Sport verloren gehen und die Rückrunde sollte anstandsgemäß zu Ende gebracht werden. In der Sommerpause werden die Karten neu gemischt. (Wei)

Aufstellung:
Schirrmeister, Eichwald (46. Baum), Brucke, Scholz, Kohlstrunk, Röthling, Mewes, Goldschmidt, Grundmann, Weinert, Jakob

Bilder vom Spiel auf der Facebook-Seite des TuS Weinböhla.

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